Bilderrahmen und Rundgang bei Mussorgskys Pictures at an Exhibition
Promenade I
Pictures at an Exhibition

Ich bin Modest Mussorgsky, und gleich erkläre ich dir die Promenade I, mit der meine Suite beginnt. Du hörst, wie ein Spaziergänger durch die Ausstellung geht, und zwar in einer Melodie, die erst im Fünfer- und dann im Sechsertakt schreitet. Meine Komponistenkollegen und ich bringen dir auf dieser Seite bei, unsere Stücke zu erkennen, sobald sie erklingen, und du kannst es gleich im Trainer testen .
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Ein Klavier, zwei Hände und keine Eile
Für diese Promenade brauchst du keine Vorkenntnisse, denn es spielt nur ein Klavier, und ich habe die ganze Suite ausdrücklich für dieses eine Instrument geschrieben. Achte darauf, dass die Melodie ohne Begleitung beginnt und sich erst nach und nach mit vollen Akkorden füllt, so wie ein Raum, in den nach und nach Besucher kommen. Über das Stück habe ich „Allegro giusto, nel modo russico; senza allegrezza, ma poco sostenuto“ geschrieben, das heißt ungefähr: im richtigen Tempo, auf russische Art, ohne Fröhlichkeit und ein wenig getragen. Wenn du das im Ohr behältst, hörst du keinen Marsch und keinen Tanz, sondern jemanden, der ernst und aufrecht seines Weges geht.Warum ausgerechnet Promenade?
Das Wort bedeutet schlicht Spaziergang, und genau das habe ich vorgehabt: Ich wollte hören lassen, wie ich selbst durch die Ausstellung gehe, die im Februar und März 1874 meinem verstorbenen Freund Viktor Hartmann gewidmet war. Mein Freund Stasov hat das später genauso beschrieben, nämlich als mich selbst, wie ich durch die Säle streife. Weil man auf so einem Rundgang von Bild zu Bild geht, kehrt dieses Thema zwischen den Stücken immer wieder zurück und verbindet sie wie ein Flur die Zimmer. Du lernst es hier zum ersten Mal kennen, und deshalb wirst du es später sofort wiedererkennen, auch wenn ich es dann ein wenig verändere.Eine Form ohne Schnörkel
Du fragst dich vielleicht, ob das eine Sonate oder ein Rondo ist, aber die ehrliche Antwort lautet: keins von beiden. Ich stelle ein einziges Thema vor und wiederhole es gleich darauf, ohne einen Gegenspieler oder einen Mittelteil mit neuem Material. Das Besondere ist nur, dass sich beim zweiten Mal der Takt ändert, und deshalb gliedere ich das Stück in zwei Abschnitte. Ich nehme sie dir gleich nacheinander vor, und sie sind kurz genug, dass du dich dabei nicht verläufst.Abschnitt 1: Der erste Schritt in den Saal
Hier erklingt das Thema zum ersten Mal, in B-Dur und im Fünfvierteltakt. Fünf Schläge pro Takt fühlen sich nicht ganz rund an, und gerade das gibt dem Gang etwas Eigenwilliges, als hätte jemand sein ganz eigenes Gehtempo. Das Tempo bleibt gleichmäßig und ruhig, und die Stimmung ist würdevoll und nicht heiter, so wie ich es in der Überschrift verlangt habe. Wenn du mitzählst, wirst du merken, dass du mit dem Fuß fast, aber nur fast, im Takt bist.Abschnitt 2: Dasselbe noch einmal, nur anders gezählt
Nun wiederhole ich das Thema, aber diesmal im Sechsvierteltakt. Ein Schlag mehr pro Takt bedeutet, dass die Melodie etwas mehr Platz zum Atmen bekommt und breiter dahinzieht. Die Tonart bleibt B-Dur und der gleichmäßige Schritt bleibt auch, sodass du das Thema wiedererkennst und trotzdem das Gefühl hast, ein anderes Stück Weg zu gehen. So endet die Promenade, und das Tor zum ersten Bild steht offen.Jetzt bist du dran
Nun lade ich dich ein, die Promenade I selbst zu erleben. Drück auf Play und lass dich einfach mitnehmen, denn mehr braucht es nicht. Vielleicht denkst du beim Zuhören an den Spaziergang und an die zwei Abschnitte, von denen wir gesprochen haben. Ich würde mich freuen, wenn dir dieser Rundgang so viel Freude macht wie mir damals das Schreiben.---
Wenn du die Promenade I jetzt noch einmal hörst, merkst du vielleicht, dass dieser ruhige Gang nicht nur am Anfang steht. Das Thema kommt zwischen den Bildern immer wieder zurück, und später mischt es sich sogar mitten in die Musik hinein. Hat es dir Freude gemacht, die Promenade I gemeinsam mit mir so genau anzuhören? Ich hoffe es, denn in meinen Pictures at an Exhibition gibt es noch viel mehr zu entdecken, vom Gnomus bis zum großen Tor von Kiew. Klick dich gern durch die Links hier auf der Seite, und geh mit mir den nächsten Bildern entgegen.
